Daniel
vor 4 Monaten

FREE-FLOATING VS. STATIONSBASIERTES CARSHARING: WELCHES SYSTEM VERÄNDERT DIE MOBILITÄT NACHHALTIGER?

Über die Unterschiede zwischen Freefloating (Einwegfahrten sind möglich in einem Geschäftsgebiet) und stationsbasierten Carsharing-Systemen (feste Stationen an der jede Fahrt beginnt und endet) haben wir ja schon in einigen Blogartikeln erläutert: 

ABER HABEN DIE VERSCHIEDENEN SYSTEME AUCH UNTERSCHIEDLICH STARKE EINFLÜSSE AUF DIE UMWELT?

Generell lässt sich sagen: CarSharing-Flotten sind energieeffizienter und stoßen weniger CO2 aus, als der nationale Durchschnitt - egal ob Freefloating oder Stationsbasiert (mehr Infos hier).

GIBT ES DENNOCH UNTERSCHIEDE?

Einige Studien haben sich mit diesem Thema befasst und Unterschiede gefunden (WiMobil , EVA-CS , bcs-Studie , carplus). Wir fassen die Ergebnisse kurz zusammen.

CARSHARING NUTZER SCHAFFEN IHRE AUTOS AB!

Ein studienübergreifendes Ergebnis zeigt, dass Carsharing-Nutzer eher unterschiedliche Transportmittel nutzen, als für jeden Weg das Auto zu nutzen. 

Die Befragungsergebnisse der Studien WiMobil und EVA-CS zeigen, dass 6,5 bis 9,2 Prozent der Free-floating Nutzer ihre privaten PKW abgeschafft haben, nachdem sie Carsharing für sich entdeckt haben. Dem gegenüber haben fast doppelt so viele (11,9 bis 20,1 Prozent) Untersuchungsteilnehmer von stationsbasierten Anbietern ihr Auto abgeschafft- ziemlich beeindruckend wie wir finden!

In der bcs-Studie wurde zudem festgestellt, dass sich die Befragten z.T. schon von ihren Autos getrennt haben, bevor sie Mitglied bei einem Carsharing-Anbieter wurden. Ganze 53% Privatwagen wurden im Zeitraum von einem Jahr vor Beitritt abgeschafft. Rund 26 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zum Zeitpunkt nicht mit der Idee gespielt haben, Carsharing zu nutzen und bei 32,6 Prozent hat CarSharing bei der Abschaffung zumindest ins Auge gefasst.

Fazit: Stationsbasiertes CarSharing verändert das Mobilitätsverhalten stärker als Freefloating-Nutzung, aber auch bei den Nutzern von Freefloating-Services verändert es das Mobilitätsverhalten nachhaltig. 

WELCHES CARSHARING-SYSTEM MACHT MEHR HAUSHALTE AUTOFREI?

Hier zeigt sich, dass die Zahl der autofreien Haushalte bei stationsbasierten CarSharing-Nutzern sehr viel höher ist, als bei Free-floating Nutzern (WiMobil, EVA-CS und die bcs-Studie).

Quelle

WIRD WENIGER "PRIVATAUTO" GEFAHREN?

CarSharing-Nutzer fahren signifikant weniger Pkw als der Durchschnitt aller Verkehrsteilnehmer. Die EVA-CS Studie berichtet dass stationsbasierte Carsharingnutzer im Schnitt 0,48 Pkw (Flinkster) bzw. 0,23 Pkw (CiteeCar) Autos besaßen, während Freefloting-Nutzer öfter (im Schnitt 0,86 Pkw (DriveNow) bzw. 0,9 Pkw (car2go)) noch eigene Autos hatten. Die Studie hat  die Befragung in München durchgeführt, wo im Durchschnitt 0,83 Pkw pro Haushalt besessen werden.

Wie ändert sich das Mobilitätsverhalten? 

23 Prozent der free-floating Kunden nutzen den privaten Pkw fast täglich, weitere 25 Prozent mindestens 1-mal pro Woche. Bei Flinkster-Kunden sind es noch 8 bzw. 12 Prozent laut WiMobil. 41 Prozent der Kunden von stationsbasierten Carsharing-Anbietern haben heute einen privaten Pkw weniger. Nur 8 Prozent der Kunden berichten von einem gegenteiligen Effekt (bcs-Studie). "Direkt vergleichbare Vorher-/Nachher-Erhebungen existieren in den anderen Studien zu diesem Punkt nicht. Allerdings misst EVA-CS für Kunden von free-floating Anbietern eine höhere Pkw-Jahresfahrleistung als der Münchner Durchschnitt, während die Kunden stationsbasierter Anbieter deutlich unter diesem Durchschnitt liegen." (siehe bcs)

FREEFLOAT VS. STATIONSBASIERT: WER FÄHRT MEHR BUS UND BAHN?

Die Ergebnisse von WiMobil fand heraus, dass 40 Prozent der DriveNow-Kunden und 51 Prozent der Flinkster-Kunden ein ÖPNV-Abo besitzen. Damit besitzen Carsharer - unabhängig von der Carsharing Art - überdurchschnittlich häufig ÖPNV-Abos. Rund 1/5 der Befragten gaben an, dass sie den ÖPNV heute häufiger nutzen als vor der Anmeldung zum Carsharing. Dagegen sagten 13 Prozent dass dies nicht der Fall ist.

Quelle

ZUSAMMENFASSUNG

Free-floating Angebote und stationsbasierte Carsharing-Services werden von ihren Kunden unterschiedlich genutzt - Freefloating eher für Kurzstrecken, stationsbasierte Angebote eher für längere Trips. Dabei zeigt sich, dass Kunden stationsbasierter CarSharing-Systeme häufiger die eigenen PKW abschaffen als Freefloating-Kunden. Sie nutzen daher auch den ÖPNV öfter und reduzieren die Zahl der mit dem Pkw zurückgelegten Wege stärker. Generell entlasten aber beide Systeme die Städte, da ihre Kunden weniger private PKW besitzen oder diese ganz (oder teilweise) abschaffen. 


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